Dienstag 04.09.2012 beginn 21:00

YELLOW LOUNGE: MAX RICHTER / FRANCESCO TRISTANO

Berghain

    »Long Walk« – einen langen Marsch nahm der 20-jährige Johann Sebastian Bach 1705 auf sich: Fast 400 Kilometer ging er zu Fuß von Arnstadt nach Lübeck, um Dietrich Buxtehude bei seinem berühmten Orgelspiel zuzuhören. Aus der für einige Wochen geplanten Reise wurde ein dreimonatiger Studienaufenthalt, Buxtehude (1637-1707, der wohl bedeutendste Komponist des deutschen Frühbarock) wurde Bachs Lehrer. Der Aufenthalt bei Buxtehude beeinflusste Bachs musikalisches Schaffen nachhaltig. Das belegt im Besonderen eines seiner berühmtesten Spätwerke, die »Goldberg-Variationen«. 1974 wurde in Bachs persönlichem Manuskript der »Goldberg-Variationen« eine Appendix gefunden, 14 Kanons über die ersten acht Basstöne der »Aria«, heute bekannt als »BWV 1087«. Diese raffinierten Miniaturen hat der luxemburgische Pianist Francesco Tristano in seiner Komposition »Long Walk« kombiniert, ›geremixed‹ sozusagen – und somit die spielerische Dimension von Bachs gelehrter Kontrapunktik erschlossen. Tristano übersetzt auf »Long Walk« die Musik des Barock ins Hier und Jetzt. Warum nur Vivaldi? Und warum dann ausgerechnet seine bekannteste Komposition »Die vier Jahreszeiten« aus dem Jahre 1725? MAX RICHTER hat die Antwort sofort parat: »›Die vier Jahreszeiten‹ gehören zu den ersten Stücken klassischer, genauer: spätbarocker Musik, die ich in meinem Leben hörte. Das Werk ist ein omnipräsentes Klangobjekt und wie kein anderes Teil unserer musikalischen Landschaft und meines täglichen Lebens. Ich höre es regelmäßig im Supermarkt und werde mit ihm ständig in Telefon-Warteschleifen oder in der Werbung konfrontiert«. Tatsächlich gibt es wohl kaum ein Musikstück der letzten 300 Jahre, das einen höheren Bekanntheitsgrad hat. Was Richter nun mit seiner »Recomposed«-Bearbeitung geschafft hat, kann man getrost als ›Vier Jahreszeiten 3.0‹ bezeichnen. Richter holt das Werk in die Jetztzeit und ermöglicht einer neuen Hörerschaft einen völlig neuen Zugang – mit gleichzeitigem Respekt vor dem Original und seiner Interpretationsgeschichte, so dass auch der erfahrene Klassik-Hörer seine Freude mit »Vivaldi Recomposed« haben wird. Max Richters Mitstreiter: Der in Wien lebende britische Geiger Daniel Hope, der deutsche Dirigent André de Ridder sowie das 16-köpfige Konzerthaus Kammerorchester Berlin. Francesco Tristano (Klavier & Electronics) und Recomposed by Max Richter: Vivaldi – The Four Seasons (Max Richter, Electronics; Daniel Hope, Geige; Konzerthaus Kammerorchester Berlin) Einlass: 21 Uhr | Beginn: 22 Uhr