Ostgut Ton (Label)

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Fiedel o-ton 102

Substance B english version

Fiedel und Ostgut Ton schließen sich für seine Substance B 12" zusammen.

Womit fangen wir an, abgesehen von der Erwähnung, dass Fiedels Debüt-Solo-Release auf Ostgut Ton lang auf sich hat warten lassen und dass es gleichermaßen prächtig gelungen ist? Der gebürtige Berlin-Brandenburger hat die Mauer fallen sehen, begann in den 1990ern im Subversiv aufzulegen, startete 1996 mit Errorsmith als MMM zu produzieren, war OstGut-Resident ab 2000, machte damit ab 2004 im Berghain nahtlos weiter, betreibt die eigenen Labels Fiedelone und Fiedeltwo, arbeitete im Hard Wax-Plattenladen und ist tragende Säule bei Wax Treatment und dem Killasan Soundsystem.

Das Urgestein von Berlins Technoszene präsentiert sich heute frisch und in Topform mit seiner ersten solo O-TON-Veröffentlichung, knüpft an seine intensiven Beiträge zu den Compilations Fünf (2010), Various (2013) und Ostgut Ton | Zehn (2015) mit einem noch stärkeren Drei-Tracker an. Fiedels Produktionsstil atmet den Geist der frühen Tage von Techno music, verbindet Genres und Techniken, konzentriert sich nicht nur auf eine enge musikalische Narrative, kombiniert Techno, Acid, Electro, Jungle, Boogie, Dubmusik und Broken Beats. Substance B ist die logische Konsequenz eines passionierten DJs mit Vinyl-Schwerpunkt, erfahrenen Produzenten und akribischen Tontechnikers: ein zwingender Klang für moderne Zeiten.

Das titelgebende „Substance B“ (auf A) beginnt mit einem klaren Statement: Spiel das in einem großen, dunklen Raum, achte auf die Tiefgründigkeit und reiß auch gleich das Dach ab. Ausgehend von einer klaren Idee, welchen Weg Fiedel mit diesem Stück im Studio verfolgen wollte, entstand dieser hochenergetische, ravige Techno-Kracher um ein gedoppeltes, schweres doch federndes Bassline-Motiv. Verstärkt um weitere Perkussion und blubbernde Acid-Lines schwillt es langsam an, bis eine jackende Melodie dazukommt. Old school fühlte sich lange nicht so frisch und gegenwärtig an.

„Track 432“ auf B1 entwickelt sich und nimmt Form an basierend auf einer mit dem Mobiltelefon aufgezeichneten Skizze – eine Technik, die Fiedel hier und da einsetzt, um Ideen unterwegs festzuhalten. Klanglich sind wir aber am komplett entgegengesetzten Spektrum: in Sachen Melodie erinnert dieses 7-minütige deepe aber funktionale Stück an schrille Sirenen, bald verwoben mit Glockenstössen über einer imposanten Kickdrum und stakkatohafter Drum Machine. “S-Drive” beschliesst die Platte auf B2 mit einem klar geschliffenen, ruhigeren Jam: eine tänzelnde, hypnotisierende Melodie entwickelt sich zum dominanten Element, gepaart mit dezenter Kick und begleitet von einer kreisenden Snare, Hi-Hat und weiterer Perkussion. Am besten klingt das auf Vinyl.

Tracks VINYL

A. Substance B

B1. Track 432

B2. S-Drive

Artwork by Anton Stoianov, courtesy xavierlaboulbenne, Berlin

release date: 3 March 2017